Inge Buck: Lieber sterbe ich, als nicht zu küssen (Corona Tagebuch)

17,80 

In Tagebüchern über Krisen- und Grenzsituationen geht es immer auch um das Thema Zeit. Um das Festhalten der verfließenden Tage, um die Aufbewahrung der Ereignisse im Text, geschrieben im Präsens für ein Futur, Schreiben gegen das Vergessen, das rückblickend  auch als Zeitdokument gelesen werden kann.

Lieber sterbe ich, als nicht zu küssen. Der Titel spiegelt zugleich das Thema und die Machart des Corona-Tagebuchs. Nachrichten Erfahrungen, Gespräche über Leben und Sterben, über Bewältigungsstrategien und die Angst vor dem Tod, über vermeintliches Wissen, Rebellion und die Ratlosigkeit angesichts der Verordnungen und der weltweit steigenden Zahl der Toten.

In einer zunehmend aus den Fugen geratenen Welt, mit der Verschiebung der Grenzen - das Virus kennt keine Grenzen - sind die Aufzeichnungen mit der täglichen Datierung auch der Versuch, den tödlichen Zahlen und einem Gegner, den man nicht sieht, etwas entgegenzusetzen. Die Zeit strukturieren, mit einem selbstbestimmten Rhythmus täglicher Abläufe, auch wenn es vielleicht sinnlos erscheinen mag...

 

Begleitet werden die Tagebuchblätter von den Pinselzeichnungen des Bremer Künstlers Gunther Gerlach, der das Motiv der aus den Fugen geratenen Zeit kongenial in die Bildsprache übersetzt und variiert hat.

 

Die Autorin

Der Illustrator

 

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Prosa | 1. Auflage 2020 | Preis: 17,80€ | ISBN: 978-3-96202-063-7

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Beschreibung

 

Im Individuellsten wird das Allgemeinste sichtbar

Mit der  Leipziger Buchmesse in diesem Frühjahr  fing alles an,  wird sie  nun abgesagt oder nicht?  Widersprüchliche Meldungen ließen mir keine Ruhe, im  Internet und in den Medien suchte ich nach  Informationen und Anhaltspunkten. Etwas lag in der Luft, das  nicht zu greifen, nicht zu begreifen, nicht zu sehen war: das Virus.

Erinnerungen an meine Kindheit im Zweiten Weltkrieg stiegen auf an ein Gefühl, dass etwas bevorstand, vor dem man sich schützen musste,  das auf einen zukam, das permanent vorhanden war, das man aber nicht sehen konnte: der Krieg.

Was geschah um mich herum? Was veränderte sich täglich? Was geschah mit mir? Zu meiner Orientierung und als täglichen Anhaltspunkt begann ich mit dem Tagebuchschreiben.  Jeden Morgen begann ich ein neues Blatt, sammelte den Tag über, beendete die Seite manchmal gegen Mitternacht.

Täglich war ich mit dem Fahrrad unterwegs, kaufte vor allem im Freien auf Wochenmärkten,  sammelte, was ich sah und hörte, Wortfetzen, Gespräche, Stimmungen, Beobachtungen, begleitet von einem fast unwirklich strahlenden Frühlingshimmel. Ich telefonierte mit Freunden und Geschwistern, recherchierte im Internet, verfolgte die Tagespresse, hörte Radio, gesprochene Nachrichten und Kommentare waren mir näher, die Bilder in meinem Kopf begreifbarer als die Abbildungen im Fernsehen.

Literarische Texte fielen mir wieder  ein, die von einem Lebensgefühl  in Grenzbereichen erzählen  zwischen einem sichtbaren Jetzt und einer unbegreiflichen Zukunft, die schon begonnen hat.  Etwa  Doris Lessings Roman Memoiren einer Überlebenden, in dem die Ich-Erzählerin von ihrer stillen Wohnung aus beobachtet, wie das Leben in der Stadt allmählich zusammenbricht, die  Lebensmittelversorgung, das Verkehrswesen, die Kommunikationssysteme.

Das Tagebuch hatte ich ursprünglich nur für mich geschrieben, täglich schickte ich das fertige Blatt einem schreibenden Freund. Ich fürchtete schon, ihn damit zu langweilen oder gar zu belästigen. Aber dass er jeden Tag auf das Tagebuchblatt gewartet hat, bestätigte mir den Satz Theodor Adornos: Im Individuellsten wird das Allgemeinste sichtbar.

 

Rezensionen und Presse:

Weser-Kurier:
„Ihre [Inge Bucks] Aufzeichnungen sind (…) ein wichtiges Zeitzeugnis, das die Anfangsphase der Pandemie noch einmal wie in einem Zeitraffer im Geiste des Lesers vorüberziehen lässt.” mehr

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