Mathias Groll: Der Zikadenbaum

16,80 

Zuspruch

Ich weiß,
der Weg durch die nächtliche Allee ist lang.
Doch du brauchst das Raunen
des Nachtwinds
nicht zu fürchten.
Zuverlässige Bäume
reichen dich weiter,
einer zum anderen.

- Gedicht aus Der Zikadenbaum

 

Der Autor

 

Gedichte | 1. Auflage 2017 | Seiten: 123 | Preis: 16,80 € (gebunden mit Schutzumschlag) | ISBN: 978-3-96202-005-7

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Beschreibung

Kalligrafie

Schwalbenschrift am Himmel,
ins Blau getupft.
Schwer zu lesen,
leicht zu verstehen.
– Gedicht aus Der Zikadenbaum

 

In Mathias Grolls neuestem Lyrikband werden einige ältere Gedichte des Autors aus den Büchern Bald kommen die Abendvögel und Aus dem Gepäck der Kriegskinder mit bisher unveröffentlichten und neuen Gedichten vereint. Daraus ergibt sich eine thematische Vielfalt, die von Bereichen wie Krieg aus der Kinderperspektive und Erfahrungen in der Psychiatrie über zeitkritisch-skeptische bis zu zeitlos-poetischen und untergründig witzigen Gedichten reicht.

 

Einführung von Inge Buck zur Buchpremiere von „Der Zikadenbaum”:

Woher meine Ruhe

Im lärmenden Gesang der Zikaden?“

Der Zikadenbaum“ : dieser Titel für den neuen Lyrikband von Mathias Groll –  eher beiläufig gefunden – entfaltet sich beim Lesen und  Hören  der Gedichte als eine Art Leitmotiv, als thematischer basso continuo,  als  ein Ton, der sich durch den Gedichtband zieht.

Bereits mit dem Layout  des druckfrisch im Bremer Sujet-Verlag erschienenen Bandes eröffnet auf dem Cover– rot auf goldgelbem Grund – ein Zikadenbaum das Orchester,  begleitet von Kapitel zu Kapitel eine unscheinbare, aber immer präsente Zikade die Komposition.

Und so gilt auch der Blick des Lyrikers Mathias Groll dem scheinbar Unscheinbaren,  dem Nebensächlichen, am Weg Liegenden, als Motiv und Inspiration: einer Vogelfeder, der blauen Farbe der Wegwarte,  einem stürzenden Ast. Unscheinbare Spuren und Zeichen werden wahrgenommen und sichtbar und lesbar im Gedicht.

Und wie die Zikade ein Wesen ist, das untrennbar verbunden ist mit der heißen Jahreszeit, mit der flirrenden Hitze des Sommers,  so wird der Gedichtband auch  eröffnet mit einem Gang durch die vier Jahreszeiten –   mit grüngelben Narzissen, dem Ton der Panflöte, mit  welkem Laub oder Neuschnee.

Im Kapitel „Vogelruf und Flügelrauschen“   gelingt es Mathias Groll, Nicht- Sichtbares, aber unüberhörbar Hörbares   –– wie der Gesang der Zikaden oder das Lied einer Lerche –  poetisch zu fassen:  „Ein Liedkörper nur, / reiner Gesang,/ aus so voller Brust,/ dass wir meinen,/ eine Lerche zu sehen.“

Überhaupt kommt der Welt des Akustischen eine besondere Rolle zu im „Zikadenbaum“. Stimmen und Geräusche können Erinnerungen transportieren:  mit dem Lärm der Sirenen und Flugzeuggeschwader wird eine Kindheit im Krieg wieder wach, mit dem Summen eines Tangos eine Reise nach Buenos Aires, mit dem Rädergeklopf eine nostalgische Eisenbahnfahrt.

Zum Ton gehört aber auch die  Stille, beides gehört zusammen wie Klang und  Pause in der Musik. Erst in der Stille kann sich Gehörtes im Nachbild und Nachklang entfalten, wie  in den Pausen die Klänge der  Musik. „Die Stille, / wenn der Vogel verstummt,/ der eben noch so schön sang, ist Teil der großen Stille.“ Oder: „Der Gesang der Zikaden!/ Ich wusste nicht, / dass Stille so laut sein kann.“ 

Und wie der Gesang der Zikaden in südlichen Sommernächten nicht nur schön anzuhören  ist,  sondern  auch schmerzhaft sein kann,  so ist im „Zikadenbaum“ auch noch ein anderer Ton zu hören,  ein schrillerer, ein dissonanter Ton.  Nächtliche Schatten, Vergeblichkeit und Vergänglichkeit,  Sterben und Tod,  auch wenn es ein „Freundlicher Tod“ ist.

Mit dem Kapitel „ Aus dem Grenzland“ wird schließlich auch eine biografische Station von Mathias Groll berührt – seine ärztliche Tätigkeit in den Bereichen Neurologie, Psychiatrie und Psychoanalyse – drängen Tag- und Nachtträume ans Licht, wird die Grenze zum Sagbaren  überschritten, „tritt die Nacht über die Schwelle.“

 

 

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