Pegah Ahmadi: Mir war nicht kalt

12,80 

Pegah Ahmadis mitunter expressionistisch anmutenden, radikalen Gedichte mit ihrer faszinierenden Metaphernwelt sind so avantgardistisch wie ambitioniert. Trotz ihrer sprachlichen Komplexität (die sich in der deutschen Übersetzung von Jutta Himmelreich stellenweise nur erahnen lässt) scheuen sie sich nicht vor direkten Aussagen, in denen sich all der Schmerz und die Verzweiflung sammeln, die sich auch in den Augen der sterbenden Neda Agha-Soltan spiegelten, als sie im Juni 2009 von Basij-Milizen erschossen wurde. Erschossen, weil sie für ihre Freiheit demonstrierte.

Lyrik | 2. Auflage 2018 | 81 Seiten | Preis: 12,80 € | ISBN: 978-3-933995-76-6

Artikelnummer: 978-3-933995-76-6 Kategorie:

Beschreibung

Im September 2009 kam die iranische Dichterin Pegah Ahmadi nach Deutschland. Das Projekt Städte der Zuflucht gewährte ihr ein zweijähriges Asyl in Frankfurt, wo sie „ohne Angst leben und arbeiten” konnte. Eben das war in ihrer Heimatstadt Teheran nicht mehr möglich, seit das Régime im Zuge der Wahlfälschungen und dem Aufbegehren der Grünen Bewegung gnadenlos Jagd auf Oppositionelle macht – darunter viele Künstler, Journalisten, Intellektuelle. Unter dem Eindruck des Sommers 2009 entstand ihr Gedichtband „Mir war nicht kalt (Sardam Nabud)”, der nun im Bremer Sujet Verlag erst auf Farsi und dann auf Deutsch erschienen ist.

Pegah Ahmadis mitunter expressionistisch anmutenden, radikalen Gedichte mit ihrer faszinierenden Metaphernwelt sind so avantgardistisch wie ambitioniert. Trotz ihrer sprachlichen Komplexität (die sich in der deutschen Übersetzung von Jutta Himmelreich stellenweise nur erahnen lässt) scheuen sie sich nicht vor direkten Aussagen, in denen sich all der Schmerz und die Verzweiflung sammeln, die sich auch in den Augen der sterbenden Neda Agha-Soltan spiegelten, als sie im Juni 2009 von Basij-Milizen erschossen wurde. Erschossen, weil sie für ihre Freiheit demonstrierte. Pegah Ahmadi hat ihr ein Gedicht gewidmet, es heißt „In mir klingt deine Stimme nach“. Jener Sommer ist omnipräsent in Pegah Ahmadis Versen – und das Leid jener, die damals, in Grün gehüllt, das Régime beenden wollten, und die nun entweder im Exil, im Gefängnis oder tot sind: „Zerfetzte Granatäpfel waren wir, / In ruhelosen Grenzen. / Aus unseren Fingern rannen beim Schreiben Tränen.“ Nichts ist versöhnlich in diesen Versen. Sie sind dunkel, beklemmend, sie atmen Agonie. Es geht um den Kugelhagel, den realen wie den symbolischen, der die Träume zerfetzt, das Leben. Es sind gnadenlose Gedichte, die von einer inneren Revolution erzählen, die mit blanker Gewalt zerschlagen wird, so wie der reale Revolutionsversuch zerschlagen wurde.

(Text von Gerrit Wustmann)

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