Die Sujet Verlag Schatzkiste

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Heute möchten wir euch eine neue Rubrik vorstellen, und zwar die „Schatzkiste”.

Da normalerweise immer nur die Neuveröffentlichungen aktuell besprochen werden, so haben wir uns überlegt euch jeden Monat ein Buch aus unserer Schatzkiste vorzustellen. Diesen Monat handelt es sich dabei um Amin Zaouis Roman Der letzte Jude von Tamentit.

Krasser als Amin Zaoui es tut, kann man den Kampf der Kulturen nicht als das entblößen, was er ist: ein blutiger, furchtbarer Unsinn!

Gerrit Wustmann, LiteraturNachrichten, Ausgabe 122, 2015

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Der letzte Jude von Tamentit wurde 2014 bei uns im Sujet Verlag veröffentlicht und erzählt die Geschichte von Barkahoum und Abraham, einem modernen jüdisch-muslimischen Paar in der algerischen Hauptstadt. Ganz in der Tradition der orientalischen Erzählkunst baut Zaoui Der letzte Jude von Tamentit auf; sein Buch ist weniger ein Roman als eine Fabel, ein philosophisches, politisches, spirituelles und erotisches Werk in einem, ein Sammelsurium unterschiedlicher Geschichten, die Barkahoum und Abraham sich in einer Pizzeria im Schickeriaviertel gegenseitig erzählen. Ihre eigenen Geschichten, aber auch die ihrer Vorfahren. Von der Vergangenheit, denn damals lebten Juden und Muslime jahrhundertelang friedlich nebeneinander, teilten gemeinsame Orte, pflegten ähnliche Bräuche. Wie eine Ringparabel, die die Gleichwertigkeit aller mono-theistischen Religionen zum Prinzip erhebt, ist bei Zaoui, dem die Verbannung des Körpers aus dem öffentlichen Platz und die geheuchelte Prüderie in der muslimischen Gesellschaft ein Dorn im Auge sind, das nach jüdisch-muslimischer Tradition beschnittene Glied der einigende Ring des Romans.

In der arabischen Welt gilt Der letzte Jude von Tamentit als wahrer Skandalroman. Allein durch seine fein recherchierte Erinnerungsarbeit bricht Zaoui ein Tabu nach dem anderen. Auch mit Themen wie Kindesmissbrauch, Homosexualität und Sklaverei hält er der Gesellschaft den Spiegel vor Augen.

Vor der Tür unseres großen Hauses hatten sich im Halbkreis ein Dutzend Koranleser zu ebener Erde niedergelassen und eine Lesung aus Allah’s Buch angestimmt. Zum Gedenken an den Tod eines Juden werden Koranverse gelesen! So will es der Brauch der Bewohner unserer Stadt ohne Grenzen und Hass.”

Besonders momentan scheint Der letzte Jdue von Tamentit von besonderer Bedeutung zu sein, turbulente Zeiten liegen hinter uns und turbulente Zeiten liegen vor uns. In der Politik geht es drunter und drüber, im Nahen Osten häufen sich die Konflikte und hitzige Diskussionen sind an der Tagesordnung. Zaouis Roman kann uns dabei helfen die Konflikte aus einer anderen, persönlicheren Perspektive zu betrachten als nur über den Fernsehbildschirm.

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