Neuveröffentlichung: „Kochbuch der Toten” von Ulrike Gies

Nein, der Sujet Verlag veröffentlicht nicht plötzlich Kochbücher (auch wenn in Ulrike Gies neuem Werk durchaus einige Rezepte zu finden sind), vielmehr ist „Kochbuch der Toten” eine Collage ihrer Erinnerungen, Erfahrungen und Träume, eingebettet in den Rahmen des Essens…

"Kochbuch der Toten" von Ulrike Gies

Ulrike Gies erinnert sich. An Birnenkompott, Mettbrötchen mit Zwiebeln und Bier, ein indonesisches Menü mit siebzehn Gängen, Buttercrèmetorte und Blumenkohl. Geschmack und Geruch überdauern alles, was andernfalls längst verfallen ist, und so, ganz wie es einst Proust geschieht, dessen Kindheit zu ihm zurückkehrt, als er eine Madeleine isst, entführen verbrannte Klöße oder Linsensuppe auch Gies in vergangene Zeiten.

Sie nimmt uns mit dorthin, auf eine kulinarische Reise – über ihren Magen in die Vergangenheit hinein, aber auch in ihren heutigen Alltag, ihre Träume und Erfahrungen. In Fragmenten, assoziativ, offen und häufig abrupt, evozieren weiße Bohnen Erinnerungen, erhalten das Leben der Toten, und das, obwohl die Eltern längst gestorben sind, die große Liebe auch, und der Körper im Rollstuhl gefangen ist. Nüchtern und erbarmungslos beschreibt sie die Krankheit der Mutter, den widerlichen Onkel, die Beerdigung der Tante, Gespräche bei Tisch oder die Nachbarsfamilie, und seziert humorvoll und trocken ihr eigenes Leben. Wie Aphorismen ziehen sich Reflektionen über den Tod, über das Leben durch das Buch – das Thema Essen: ein Rahmen für die Memoiren.

So bleibt doch alles bestehen, auch wenn niemand mehr da ist. Nur das Rezept für Mutters Nusskuchen ist mit deren Ableben für immer verschwunden. Dafür hinterlässt Gies in „Kochbuch der Toten” ihre Erinnerungen unnd mit ihnen ein Rezept für asiatische Fischsuppe „das wahrscheinlich einen ganzen Sternenhimmel wert ist.“

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