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	Kommentare zu: Bernd Jaeger: Hart an der Grenze	</title>
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	<description>Der Bremer Verlag für ausgefallene Literatur</description>
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		<title>
		Von: Sujet Verlag		</title>
		<link>https://sujetverlag.de/buecher/bernd-jaeger-hart-an-der-grenze/#comment-1903</link>

		<dc:creator><![CDATA[Sujet Verlag]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 27 Dec 2020 16:15:30 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Als Antwort auf &lt;a href=&quot;https://sujetverlag.de/buecher/bernd-jaeger-hart-an-der-grenze/#comment-1757&quot;&gt;Timo Brandt&lt;/a&gt;.

Herzlichen Dank lieber Timo Brandt!]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Antwort auf <a href="https://sujetverlag.de/buecher/bernd-jaeger-hart-an-der-grenze/#comment-1757">Timo Brandt</a>.</p>
<p>Herzlichen Dank lieber Timo Brandt!</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Timo Brandt		</title>
		<link>https://sujetverlag.de/buecher/bernd-jaeger-hart-an-der-grenze/#comment-1757</link>

		<dc:creator><![CDATA[Timo Brandt]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 15 Aug 2020 19:46:51 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://sujetverlag.de/?post_type=product&#038;p=5797#comment-1757</guid>

					<description><![CDATA[„Stern

            Schrecksekunde meiner Lichtempfängnis

            weißes Auge

            Sandstürme treiben über die Tundra

            der Weg ist vorgezeichnet

            das Wolfsrudel zieht weiter

            Bulldozzer

            schwere Erde, irdnes Kalb

            reißend glaube ich ans Licht

            inzwischen entsteht dort eine Stadt

            Stahltürme

            wir laben uns am Öl

            das schwarze All

            Weltkampf meiner Augen mit Deinen

            Erde taut in meiner Hand

            ich beiße

            entschieden ist die Welt“


Obgleich eine Neuerscheinung, handelt es sich bei den Gedichten in „Hart an der Grenze“ um Texte aus den Jahren 1970-1980, genauer aus den vier Publikationen Jaegers, die in diesem Zeitraum erschienen sind.

Beinahe sofort augenfällig ist die eigenwillige Formlosigkeit vieler Gedichte, die fast immer auf einer Seite Platz haben. Wenn sie keinen Titel haben, starten sie meist mit einem kleinge-schriebenen Wort und scheinen auch, darüber hinaus, nicht selten weit davor zu beginnen, wirken mitunter wie ein Fragment oder ein Zitat aus einem längeren Gedicht.  

            „wenn wir noch länger

            das bild unseres 

            häuschens am

            hals haben im

            amulett

            lassen wir pandora bei uns

            wohnen

            unterm schrägdach

            zwei ententritte vom schorn

            stein wir schlagen

            ihr aber draußen

            gleich zwei liege

            stühle auf“


Mit dieser Stückhaftigkeit einher geht auch der Eindruck, dass Jaeger in seinen Versen mitunter einer ganz eigenen Mythologie frönt. Manchmal haben die Gedichte etwas Märchennahes oder Rätselhaftes, aber fast immer geben Sie sich den Anschein eines Zusammenhangs, den man als Leser*in, zumindest teilweise, zunächst im Mythologischen, im Anspielungshaften zu finden glaubt.

Das alles soll natürlich nicht so ausgelegt werden, dass Bernd Jaeger als weltfremder, munkelnder, rein spiritistischer Dichter erscheint. Vielmehr ist sein lyrisches Ich eine sehr formwandlerische Gestalt, die mal als feiner Beobachter, mal als anrufende Instanz, mal als versunkener Biograph, mal als malender Träumer, mal als rätselhafter Prophet auftritt.

            „auf der Brille eines

            Archivars aus dem Norden

            schlagen sich ungezählte Gladiatoren

            schreie nieder

            während er das Colosseum in

            Rom besichtigt 


            eine Brille beschlägt eigentlich immer

            wenn sie vom Kalten ins

            Warme kommt“

                 
Übergreifende Eigenschaften kann man den Gedichten ansonsten schwer andichten, ohne ihre Mannigfaltigkeit und Eigenwilligkeit dabei zu marginalisieren. Es sind Capriccios, die mal wie Eingebungen, mal wie Zuspitzungen, dann wieder wie Gelegenheitsgedichte, wie Schnappschüsse daherkommen.

Diese ganz eigene Launenhaftigkeit, die Stimmungs- und Sujetvielfalt, ist ihr Kapital: man weiß nie genau, was im nächsten Gedicht zu erwarten ist, ob sich die Bildsprache zielsicher, verstreut, offen oder hermetisch auffächern wird, ob sie mehr im Profanen, im Transzendenten oder irgendwo dazwischen beheimatet sein wird.

(Eine umfangreichere Rezension erschien beim Signaturen-Magazin.de]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>„Stern</p>
<p>            Schrecksekunde meiner Lichtempfängnis</p>
<p>            weißes Auge</p>
<p>            Sandstürme treiben über die Tundra</p>
<p>            der Weg ist vorgezeichnet</p>
<p>            das Wolfsrudel zieht weiter</p>
<p>            Bulldozzer</p>
<p>            schwere Erde, irdnes Kalb</p>
<p>            reißend glaube ich ans Licht</p>
<p>            inzwischen entsteht dort eine Stadt</p>
<p>            Stahltürme</p>
<p>            wir laben uns am Öl</p>
<p>            das schwarze All</p>
<p>            Weltkampf meiner Augen mit Deinen</p>
<p>            Erde taut in meiner Hand</p>
<p>            ich beiße</p>
<p>            entschieden ist die Welt“</p>
<p>Obgleich eine Neuerscheinung, handelt es sich bei den Gedichten in „Hart an der Grenze“ um Texte aus den Jahren 1970–1980, genauer aus den vier Publikationen Jaegers, die in diesem Zeitraum erschienen sind.</p>
<p>Beinahe sofort augenfällig ist die eigenwillige Formlosigkeit vieler Gedichte, die fast immer auf einer Seite Platz haben. Wenn sie keinen Titel haben, starten sie meist mit einem kleinge-schriebenen Wort und scheinen auch, darüber hinaus, nicht selten weit davor zu beginnen, wirken mitunter wie ein Fragment oder ein Zitat aus einem längeren Gedicht.  </p>
<p>            „wenn wir noch länger</p>
<p>            das bild unseres </p>
<p>            häuschens am</p>
<p>            hals haben im</p>
<p>            amulett</p>
<p>            lassen wir pandora bei uns</p>
<p>            wohnen</p>
<p>            unterm schrägdach</p>
<p>            zwei ententritte vom schorn</p>
<p>            stein wir schlagen</p>
<p>            ihr aber draußen</p>
<p>            gleich zwei liege</p>
<p>            stühle auf“</p>
<p>Mit dieser Stückhaftigkeit einher geht auch der Eindruck, dass Jaeger in seinen Versen mitunter einer ganz eigenen Mythologie frönt. Manchmal haben die Gedichte etwas Märchennahes oder Rätselhaftes, aber fast immer geben Sie sich den Anschein eines Zusammenhangs, den man als Leser*in, zumindest teilweise, zunächst im Mythologischen, im Anspielungshaften zu finden glaubt.</p>
<p>Das alles soll natürlich nicht so ausgelegt werden, dass Bernd Jaeger als weltfremder, munkelnder, rein spiritistischer Dichter erscheint. Vielmehr ist sein lyrisches Ich eine sehr formwandlerische Gestalt, die mal als feiner Beobachter, mal als anrufende Instanz, mal als versunkener Biograph, mal als malender Träumer, mal als rätselhafter Prophet auftritt.</p>
<p>            „auf der Brille eines</p>
<p>            Archivars aus dem Norden</p>
<p>            schlagen sich ungezählte Gladiatoren</p>
<p>            schreie nieder</p>
<p>            während er das Colosseum in</p>
<p>            Rom besichtigt </p>
<p>            eine Brille beschlägt eigentlich immer</p>
<p>            wenn sie vom Kalten ins</p>
<p>            Warme kommt“</p>
<p>Übergreifende Eigenschaften kann man den Gedichten ansonsten schwer andichten, ohne ihre Mannigfaltigkeit und Eigenwilligkeit dabei zu marginalisieren. Es sind Capriccios, die mal wie Eingebungen, mal wie Zuspitzungen, dann wieder wie Gelegenheitsgedichte, wie Schnappschüsse daherkommen.</p>
<p>Diese ganz eigene Launenhaftigkeit, die Stimmungs- und Sujetvielfalt, ist ihr Kapital: man weiß nie genau, was im nächsten Gedicht zu erwarten ist, ob sich die Bildsprache zielsicher, verstreut, offen oder hermetisch auffächern wird, ob sie mehr im Profanen, im Transzendenten oder irgendwo dazwischen beheimatet sein wird.</p>
<p>(Eine umfangreichere Rezension erschien beim Signaturen-Magazin.de</p>
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