Literatur eröffnet Räume, in denen unterschiedliche Erfahrungen, Erinnerungen und Perspektiven miteinander in Dialog treten. Mit den kommenden Veröffentlichungen in 2026 wollen wir internationale Stimmen sichtbar machen und kulturelle Grenzen überschreiten.
Die diesjährigen Herzensprojekte verbinden Romane, Lyrik und literarische Übersetzungen aus dem persischsprachigen Raum. Sie erzählen von Migration und Erinnerung, von Mystik und Natur, von weiblichen Stimmen der Literaturgeschichte und von der Kraft poetischer Sprache.
Mit Autoren und Autorinnen wie Nastaran Makaremi, Fariba Vafi und Sohrab Sepehri sowie den Herausgebern und Übersetzern Ali Abdollahi und Kurt Scharf versammelt das Programm bedeutende literarische Stimmen. Die Bücher laden dazu ein, neue literarische Landschaften zu entdecken und Perspektiven kennenzulernen, die den deutschsprachigen Literaturraum bereichern.
TOTAL
Nastaran Makaremi
Mit TOTAL veröffentlicht Nastaran Makaremi einen vielschichtigen Roman über Macht, Ressourcen und die Spuren, die wirtschaftliche Interessen in Gesellschaften hinterlassen. In poetischer und zugleich eindringlicher Sprache verbindet die iranische Autorin persönliche Erfahrungen mit historischen und politischen Zusammenhängen und schafft eine Erzählung von großer literarischer Kraft.
Am Anfang des Romans steht Jonah, ein Ingenieur der „Total Company“, der als einziger ein Unglück in der Wüste überlebt. Nach seiner Rückkehr wird er – halb durch Zufall, halb durch Selbstinszenierung – zum Begründer einer neuen quasi-religiösen Ordnung. Aus dieser Ausgangslage entfaltet Makaremi eine visionäre, teils bitter-satirische Geschichte über koloniale Strukturen, Machtmechanismen und die Entstehung von Mythen.
TOTAL bewegt sich zwischen Vergangenheit und Gegenwart und verknüpft individuelle Schicksale mit größeren gesellschaftlichen Entwicklungen. Erinnerungen, Realität und Symbolik greifen ineinander und eröffnen ein dichtes literarisches Panorama über Verantwortung, Ausbeutung und die Suche nach Wahrheit in einer komplexen Welt.
Nastaran Makaremi wurde 1978 in Abadan im Iran geboren und arbeitet als Schriftstellerin, Journalistin, Künstlerin und Filmemacherin. Nach ihrem Studium der Bildenden Kunst unterrichtete sie Malerei, Design und Kunstgeschichte an Hochschulen in Teheran und Isfahan. Neben ihrer literarischen Arbeit engagiert sie sich seit Jahren für inhaftierte Schriftsteller und Schriftstellerinnen im Iran und unterstützt die Bewegung „Woman, Life, Freedom“. Seit 2022 ist sie Teil des Programms „Weiter Schreiben“. 2025 zog sie nach Berlin und erhielt Fellowships des Berliner Künstlerprogramms des DAAD sowie von Weltoffenes Berlin.
Zu ihren Veröffentlichungen zählen unter anderem die Romane Ordibehesht Deadlock (2015), Soirée After the Funeral (2017), Bergamot of Sun (2017) und Distress Stages (2024). Für ihre Werke wurde sie mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem South Story Literary Award und dem Gamalzadeh Literary Award.
Aus dem Persischen übersetzt wird TOTAL von Bianca Gackstatter.
Der Becher meiner Lust
Ali Abdollahi & Kurt Scharf
Mit Der Becher meiner Lust erscheint eine außergewöhnliche Sammlung persischer Gedichte von dreizehn weiblichen Sufi-Dichterinnen aus über zwölf Jahrhunderten. Der Band versammelt Stimmen aus dem gesamten persischsprachigen Kulturraum und macht poetische Perspektiven sichtbar, die über lange Zeit wenig Beachtung fanden.
Die Gedichte erzählen von Liebe und Sehnsucht, von Spiritualität, Mystik und weiblicher Selbstbestimmung. Sie widersetzen sich gesellschaftlichen Erwartungen und eröffnen zugleich einen eindrucksvollen Zugang zur Tradition des Sufismus. Enthalten sind Werke klassischer Dichterinnen wie Rabi’a Bint Ka’b Balchi und Dschahan Malek-Chatun‑i Schirasi ebenso wie Texte von Mystikerinnen, Lehrerinnen und Herrscherinnen wie Banu Hayati Kermani, Raschha Beigum, Machfi Badachschi und Fasl‑e Bahar Chanom.
Die Übersetzungen von Kurt Scharf und Ali Abdollahi übertragen die sprachliche Feinheit und emotionale Tiefe dieser Gedichte ins Deutsche. Ergänzt wird der Band durch Nachworte der Herausgeber, die Einblicke in die Geschichte des Sufismus und die Bedeutung weiblicher Stimmen innerhalb dieser Tradition geben.
Ali Abdollahi, geboren 1968 in Birjand im Iran, lebt heute als Dichter, Übersetzer und Literaturkritiker in Berlin. Er veröffentlichte mehrere Gedichtbände und übersetzte unter anderem Werke von Friedrich Nietzsche, Rainer Maria Rilke, Franz Kafka und Bertolt Brecht ins Persische. Gemeinsam mit Kurt Scharf gab er bereits die Anthologie Ein Dieb im Dunkeln starrt auf ein Gemälde heraus, die 2021 im Sujet Verlag erschienen ist.
Kurt Scharf wurde 1940 geboren und war Stellvertretender Leiter des Goethe-Instituts in Teheran sowie der Leiter des Goethe-Instituts in Porto Alegre, Istanbul und Lissabon. Zudem ist er ein Gründungsmitglied des Hauses der Kulturen der Welt und arbeitete dort als Leiter des Bereichs Literatur, Gesellschaft, Wissenschaft. Neben seiner Tätigkeit als Herausgeber und Übersetzer von Literatur aus dem Persischen, Portugiesischen und Spanischen ist er freier Mitarbeiter von literaturwissenschaftlichen Publikationen.
Der Becher meiner Lust verbindet literarische Geschichte mit zeitloser Poesie und eröffnet neue Perspektiven auf weibliche mystische Literatur aus dem persischen Kulturraum.
Menschen aus früheren Leben
Fariba Vafi
Mit Menschen aus früheren Leben erscheint ein Roman über Migration, Erinnerung und die Suche nach Zugehörigkeit zwischen unterschiedlichen Lebenswelten. Zwischen Berlin, Täbris und Teheran entfaltet Fariba Vafi eine sensible Erzählung über Fremdheit, Einsamkeit und den Versuch, einen neuen Platz im Leben zu finden.
Vafis Literatur zeichnet sich durch ihre ruhige, poetisch verdichtete Sprache aus. In ihren Erzählungen entstehen präzise Beobachtungen des Alltags, in denen persönliche Erfahrungen und gesellschaftliche Realitäten eng miteinander verbunden sind. Ihre Texte erzählen von Menschen, deren innere Konflikte zugleich größere politische und soziale Fragen spiegeln.
Fariba Vafi wurde 1963 in Täbris geboren und zählt zu den bedeutendsten Stimmen der persischen Gegenwartsliteratur. Seit den 1980er-Jahren veröffentlicht sie Kurzgeschichten und Romane, die vielfach ausgezeichnet und in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden. Ihre Werke erschienen unter anderem auf Englisch, Französisch, Italienisch, Türkisch und Deutsch.
Zu ihren wichtigsten Auszeichnungen gehören der Huschang-Golschiri-Preis, der Yalda-Preis, der Mehregan-Adab-Preis sowie der Literaturpreis von Isfahan. Für ihren Roman Tarlan, der 2015 im Sujet Verlag erschien, erhielt sie 2017 den LiBeraturpreis der Frankfurter Buchmesse.
Fariba Vafi ist Mitglied des Verbandes iranischer Schriftsteller sowie des PEN-Zentrums Deutschland. Seit 2020 lebt sie im Rahmen des Berliner Künstlerprogramms des DAAD in Berlin.
Menschen aus früheren Leben erzählt eindringlich davon, wie Erinnerungen und Herkunft das Leben prägen – und wie Literatur Brücken zwischen verschiedenen Welten schlagen kann.
Übersetzt wird der Roman von Jutta Himmelreich.
Zwischen den Silben
Sohrab Sepehri / Hrsg. Kurt Scharf
Mit Zwischen den Silben widmet sich der Sujet Verlag einem der bedeutendsten Dichter der modernen persischen Literatur: Sohrab Sepehri. Der zweisprachige Gedichtband versammelt sechzehn zentrale Werke des iranischen Lyrikers im persischen Original und in deutscher Übersetzung.
Sepehris Gedichte verbinden Naturverbundenheit, Mystik und Humanismus in einer klaren und zugleich bildreichen Sprache. Seine Lyrik kreist um den Menschen als Teil der Natur und stellt Fragen nach Stille, Zeit, Spiritualität und Verbundenheit. Dabei entwickeln seine Texte eine poetische Kraft, die weit über kulturelle und sprachliche Grenzen hinausreicht.
Der Band enthält unter anderem das umfangreiche Gedicht Der Klang vom Gang des Wassers, das als poetisches Manifest seines Denkens gilt
Sohrab Sepehri wurde 1928 in Kaschan geboren und gehört neben Nima Youschidsch, Forugh Farrochzad und Ahmad Schamlou zu den prägenden Stimmen des „Neuen Gedichts“ der iranischen Moderne. Neben seiner literarischen Arbeit war er auch als Maler international bekannt. Reisen nach Europa, Indien, Japan und in die USA sowie seine Beschäftigung mit Buddhismus und Sufismus beeinflussten sein Werk nachhaltig.
Sepehris Gedichte zeichnen sich durch ihre musikalische Sprache, ihre Nähe zum gesprochenen Wort und ihre stille Beobachtung der Welt aus. Themen wie Natur, Einsamkeit, Freundschaft und Spiritualität stehen im Mittelpunkt seines Schaffens. Seine Werke wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt und zählen heute zu den wichtigsten Stimmen moderner persischer Literatur.
Mit Zwischen den Silben eröffnet sich deutschsprachigen Leserinnen und Lesern ein neuer Zugang zu dieser außergewöhnlichen poetischen Tradition.




