Abdelkader Djemaï: Gare Du Nord

"Sobald sie sich der gare du Nord näherten, fühlten sie sich angezogen von ihrer warmen Atmosphäre, ihren weiblichen Formen und ihrem sanften Licht, das die Farbe eines guten Bieres hatte. Unter dem Glasdach mit den blauen und weißen Scheiben, zwischen den Laternen, den Zeitungskiosken und den breiten U-Bahn-Eingängen hörten sie das Brummen der Maschinen, das Rollen der mit Briefsäcken beladenen Wagen, die Stimme der Lautsprecher und das mechanische Rattern der Anzeigetafel. Dieses treiben beruhigte sie."

Bonbon, Zalamite und Bartolo, drei befreundeten Ruheständlern nordafrikanischer Herkunft, war kein leichtes Leben vergönnt. Zwar wurden Kulturschock, Entwurzelung und Ausgrenzung von Freuden wie den gemeinsamen Spaziergängen gemildert, wenn sie zwischen dem "Heim der Hoffnung", wo sie wohnten ihrem Stammbistro und dem Bahnhof Gare du Nord, ihrem Lieblingsort, im Norden von Paris umherschweiften. Doch die verbleibende Zeit rinnt ihnen nun wie Mittelmeersand zwischen den Fingern hindurch. Da beschließt der Älteste, Bonbon, noch einmal aufzubrechen und ein letztes Mal die Familie in der Heimat zu besuchen.

Aus dem Französischen von András Dörner

Abdelkader Djemaï

Novelle | 1. Auflage 2011 | 100 Seiten 

Auch als E-Book erhältlich:

10,80 

Abdelkader Djemaï: Gare Du Nord

ISBN 978-3-933995-69-8 Genres , ,

Beschreibung

Mit großer Zärtlichkeit porträtiert der Autor die drei Alten, die einander ein Stück algerische Heimat sind und sich so gegenseitig vor der Vereinsamung in der Fremde bewahren. Gleichzeitig bringt er den europäisch sozialisierten Lesern sanft die Welt der maghrebinischen Einwanderer nahe.” – DeutschlandRadioKultur

 

Rezensionen und Interviews:

fixpoetry:

Die Novelle „Gare Du Nord“ des in Algerien geborenen und seit 1993 in Frankreich lebenden Schriftstellers Abdelkader Djemai ist ein sanft-nostalgisches Werk über das Leben und Altern im Exil, über Hoffnungen und Träume einer Immigrantengeneration vor der Kulisse der Pariser Gare Du Nord.„mehr

deutschlandfunkkultur:

Kein Wunder, dass die drei Romanhelden immer wieder auf ihren täglichen Spaziergängen den Pariser Nordbahnhof ansteuern und dort fasziniert die abfahrenden und ankommenden Züge betrachten, bevor sie wieder zurück in ihr Altenheim oder die nahe Bar im Pariser Immigrantenviertel La Goutte-d’Or spazieren. Sehnsucht – dieser Begriff zieht sich, wenngleich kaum angesprochen, als Grundstimmung durch den Roman.” mehr

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