Rezension zu „Mitternachtssammler” von Zia Qasemi

Rezension zu „Mitternachtssammler” (2025)

von Martina Häusler für den Borromäusverein

Authentisches Bild des Lebens in einem kleinen Dorf in Afghanistan im Wandel der Zeit.

Musa kann sich aufgrund einer Fehlbildung der Beine nur kriechend fortbewegen. Für die Dorfbewohner ist er daher ein Außenseiter, wird verspottet und, falls sich in seiner Gegenwart ein Unglück ereignet, damit in Verbindung gebracht und gemieden. Nur die schöne Muness ist ihm freundlich gesinnt und lobt ihn für seine Tüchtigkeit und seinen Mut, doch sie ertrinkt in der Feenquelle. Nach dem Umfalltod seines Vaters bestellt Musa einen kleinen Acker, um für sich und seine Mutter Sultana anzubauen. Mit der zunehmenden Dürre fällt diese Einkomensquelle jedoch weg, und Musa hört in einem Laden, wie jemand Gebeine an die Taliban verkauft. Fortan begibt er sich im Schutz der Dunkelheit auf den Friedhof, um dort alte Gräber auszuräumen. Eine Zeitlang geht dies gut, doch Musa kommen Zweifel. Er teilt dem Händler mit, dass er nicht länger Knochen liefern wird, und unterschreibt damit sein Todesurteil. In seinem zweiten, erstmals in deutscher Übersetzung erschienenen Roman verknüpft der 1975 in Afghanistan geborene Autor die afghanische Geschichte zwischen den frühen 1970er Jahren und 2001 mit dem harten Schicksal seines Protagonisten. Das sprachlich sehr ansprechende Buch ist sehr empfehlenswert.

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