Nassir Djafari: Mahtab

Die späten 1960er Jahre in Frankfurt sind politisch und gesellschaftlich turbulente Zeiten, in denen alte Gewissheiten ins Wanken geraten. Erst recht für Mahtab, die ein Jahrzehnt zuvor mit ihrem Mann und ihren drei Kindern aus Iran eingewandert ist. Nassir Djafari zeigt sich auch in seinem zweiten Roman als versierter und einfühlsamer Erzähler, der die Entwicklung seiner Hauptfigur stimmig und spannend schildert und sie dabei mit kritischer Sympathie begleitet.

Nassir Djafari

Prosa | 338 Seiten | Klappenbroschur 

Auch als E-Book erhältlich:

19,80 

Nassir Djafari: Mahtab

Beschreibung

Die späten 1960er Jahre in Frankfurt sind politisch und gesellschaftlich turbulente Zeiten, in denen alte Gewissheiten ins Wanken geraten. Erst recht für Mahtab, die ein Jahrzehnt zuvor mit ihrem Mann und ihren drei Kindern aus Iran eingewandert ist. Mit ihrem Gehalt als Krankenschwester trägt sie wesentlich zum Unterhalt der Familie bei, auch die deutsche Sprache beherrscht sie immer besser. Lange Zeit stimmt alles in ihrem Leben. Doch nun drohen ihr die Dinge zu entgleiten: Ihre Tochter Azadeh demonstriert gegen den Vietnamkrieg, anstatt für das Abitur zu lernen, trägt Minirock und nimmt die Pille; ihr Mann Amin hat ganz offensichtlich ein Verhältnis mit seiner Buchhalterin und sie selbst muss die Avancen eines Verehrers abwehren. Mahtab befindet sich gleich mehrfach im Dilemma. Hin- und hergerissen zwischen ihren tradierten Moralvorstellungen und den Freiheiten ebenso wie den Untiefen des modernen westlichen Lebens muss sie sich behaupten und ihren eigenen Weg finden.

 

Rezensionen:

Djafari erzählt ausnahmslos aus der Perspektive von Mahtab. Er hat sie der eigenen Mutter nachempfunden, sagt er im Gespräch. Es ist nicht ihre Biografie, aber vom Typ her sei sie ihr ähnlich: zurückhaltend und still. Auch ihr Mann Amin erinnere ein wenig an seinen eigenen Vater. Der sei ein sehr fürsorglicher und liebevoller Mensch gewesen. Doch alles andere sei literarisch konstruiert und erfunden, sagt Djafari.” – Shirin Sojitrawalla, taz mehr

Nassir Djafari beschreibt auf 330 Seiten einfühlsam die Charaktere und gibt den Lesern einen Einblick in die Zeitgeschichte.” – Gerrit Mai, FNP Taunus mehr

Über Nassir Djafari:
Auf jeden Fall zeigt sich da ein Debütant, der niemandem etwas beweisen muss, der voll bei sich und seiner Geschichte sein kann, klug und ohne jede Eitelkeit, immer der Sache, dem Thema verbunden – das ist reife Literatur im allerbesten Sinne, exzellent.” – Ulrich Noller, WDR Cosmo über “Eine Woche, ein Leben” mehr

 

Die Suche nach einer Ankunft:

Frankfurt, die wilden Sechziger: Alles andere als wild, vielmehr stürmisch, sind sie für Mahtab, die titelgebende Protagonistin von Nassir Djafaris zweitem Roman – nach seinem famosen Debüt „Eine Woche, ein Leben“ (Bremen 2020).

In den Fünfzigern sind sie, ihr Mann und ihre Tochter aus Iran nach Deutschland gekommen. Die Fünfziger selbst waren in ihrer Heimat turbulente Zeiten: 1953 putschten Amerikaner und Briten den demokratischen Staatschef Mohammad Mossadegh aus dem Amt, weil dieser die Ölindustrie verstaatlichen wollte, und setzten das Militärregime wieder ein, das mit seinen Kritikern wenig zimperlich umging. Viele Iraner gingen in jenen Jahren ins Exil, viele nach Deutschland.

Mahtab ist eher konservativ und schafft es nicht so recht, am Main wirklich anzukommen. Ihr Mann Amin hat sich ein Geschäft für Haushaltswaren aufgebaut, kümmert sich aber mehr um politische Debatten mit anderen Exilanten anstatt ums Geschäft. Und Tochter Azadeh scheint ihr völlig zu entgleiten: Sie trägt Minirock, demonstriert gegen Vietnam und den Schah, und als Mahtab in den Sachen ihrer Tochter die Pille entdeckt, bricht für sie eine Welt zusammen – mehr noch als bei der Erkenntnis, dass ihr Mann eine Affäre mit seiner Buchhalterin hat. Und dass ihr, während ihrer Arbeit im Krankenhaus, der Chefarzt Avancen macht, stürzt sie in neue Gewissenskonflikte.

Auch wenn es zwischendurch erscheint, als würde sich Djafari in seinem neuen Roman bisweilen zu sehr in den Liebschaften seiner Figuren verlieren, gelingt es ihm doch, ein stimmiges Bild jener Zeit zu zeichnen und vor allem den immer wiederkehrenden Einbruch des Politischen ins Private, die Verwerfungen der Weltpolitik im Leben ganz normaler Menschen. Während Mahtab noch genug zu knabbern hat am Verlust ihrer Heimat und der Eingewöhnung in der neuen, droht ihre Familie schleichend zu zerbrechen. Alte, ihr Leben lang gehegte Vorstellungen geraten ins Wanken, und als Azadeh plötzlich verschwindet, müssen sich ihre Eltern zusammenraufen – gegen alle Widerstände. – Gerrit Wustmann in ROCKS Nr. 90 (5/2022)

Zusätzliche Informationen

Gewicht 372 g

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