Maryam Djahani: Ungebremst durch Kermanschah

24,80 

Shohre ist Anfang dreißig, geschieden und Autonärrin. Sie arbeitet in der iranischen Stadt Kermanschah als Taxifahrerin. Während männliche Kollegen und Fahrgäste es zuweilen am nötigen Respekt fehlen lassen, sind Frauen stolz, neben einer Frau am Steuer Platz zu nehmen. Auf ihren Routen hat Shohre immer wieder überraschende Begegnungen und Wortwechsel mit Fahrgästen - sogar mit dem vermeintlichen Mann ihrer Träume. Sie befördert eine alte Frau, deren Tochter im Gefängnis sitzt, weil sie sich gegen ihren übergriffigen Chef gewehrt hat;  Shohres Nachbarin wurde von ihrem Mann wegen einer jüngeren Frau verlassen; ihre ebenfalls geschiedene Cousine verzweifelt, weil ihr Exmann ihr das Besuchsrecht der gemeinsamen Tochter verweigert. Shohre selbst aber gibt trotz Enttäuschungen nicht auf.

Ein Werk über Selbstbestimmung, Tradition und Traditionsbrüche und den Weg einer selbstbewussten Frau in einer männerdominierten Welt.

Aus dem Persischen übersetzt von Isabel Stümpel.
Die Übersetzung wurde mit Mitteln des Auswärtigen Amtes unterstützt durch Litprom - Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika e.V.

Bald auch als Hörbuch erhältlich!
Gelesen von Petra-Janina Schultz
Hörprobe:

Die Autorin

Prosa | 1. Auflage 2021 | 267 Seiten | gebunden mit Schutzumschlag | Preis: 24,80 € | ISBN: 978-3-96202-072-9

Beschreibung

Ich denke immer noch an Mahbube. Die Autotür steht offen. Mit dem Radkreuz in der Hand mache ich mich daran, das Rad abzuschrauben. Eine Gruppe Frauen mit dreieckigen Kopftüchern läuft unter Klagegeheul an mir vorbei. Einige, die nicht heulen und klagen, starren mich verwundert an. Ich trete mit dem Fuß auf das Radkreuz, damit es sich dreht und die Muttern sich lockern. Mein Rücken sticht. Einige junge Kerle stehen an Bäume gelehnt und lachen sich ins Fäustchen. Einer sagt: Ich gebe dir meine Nummer. Ruf an, wenn du Hilfe brauchst.

Ein anderer sagt: Wenn du mir versprichst, mich nach Hause zu bringen, schraube ich es dir ab.

Den nächsten Schlag setze ich so fest, dass mein Rücken noch heftiger schmerzt. Und dass der Wagenheber unter dem Wagen herausfällt. Erst jetzt fällt mir ein, dass ich zuerst die Muttern hätte lockern müssen. Das Gelächter der jungen Kerle macht die wenigen, die noch nicht auf mich geachtet hatten, nun auf mich aufmerksam. Einen Moment lang habe ich das Gefühl, mich nicht auf einem Friedhof, sondern bei einer Vorführung zu befinden. Einer Vorführung, für die auch der Geist meines Vaters, der unweit von hier begraben liegt, den Kopf aus dem Grab reckt und mir zusieht. An dem Tag, als ich Taxifahrerin wurde, sagte Mutter: Innerhalb von vier Jahren wirst du es bereuen. Wenn kein Mann sich mit dir einlässt.”

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