Ankündigung: Sujet Verlag nennt Übersetzer*innen auf dem Cover
An der Produktion von Büchern sind, neben den Autor*innen selbstverständlich, viele Menschen beteiligt. Die meisten davon arbeiten leise im Hintergrund, sind Verlagsmitarbeiter*innen oder Freelancer*innen. Die Literaturen der Welt können wir uns allerdings nur deshalb erschließen, weil es Übersetzer*innen gibt.
Sie leihen Autor*innen ihre Stimmen, transferieren in oft monatelanger konzentrierter und intensiver Arbeit den Stil, die Form, die Inhalte in und zwischen den Zeilen von einer Sprache in die andere. Literarisches Übersetzen ist eine sehr anspruchsvolle Aufgabe. Übersetzer*innen erbringen eine enorme und doch viel zu selten wertgeschätzte Leistung, um uns allen Bücher nahezubringen, die wir ohne sie gar nicht lesen könnten: Sie vermitteln Literatur, sorgen für Verständlichkeit.
Gerade heute brauchen Übersetzer*innen größere Sichtbarkeit. Immer mehr Menschen glauben, das Übersetzen von Büchern könnten in Zukunft KI-Programme übernehmen. Das ist ein gefährlicher Irrtum. Literarische Übersetzung braucht menschliche Intelligenz, braucht Expert*innen, die nicht nur, wie eine KI es tut, Wahrscheinlichkeiten berechnet, sondern die den Text, mit dem sie arbeiten, tatsächlich verstehen, sich in das komplexe Textmaterial hineindenken können, nicht nur intellektuell, sondern auch emotional. Übersetzer*innen sind außerdem meist auch Vermittler*innen von Literatur, die den intensiven Austausch mit Autor*innen, Leser*innen und Verlagen pflegen und die in ihrer Arbeit eigene, urheberrechtlich geschützte Werke erschaffen.
Aus diesen und vielen weiteren Gründen haben wir im Sujet Verlag entschieden, ab sofort die Namen der Übersetzer*innen direkt auf dem Buchcover zu nennen. Immer mehr Verlage haben verstanden, wie wichtig das ist und gehen mit gutem Beispiel voran, wir möchten uns nun anschließen. Wir unterstützen diesen Trend damit ausdrücklich und gestehen ein, dass auch wir diesen Schritt schon viel früher hätten gehen müssen.
Die ersten beiden Titel im Sujet-Programm 2026, bei denen die Übersetzer*innen auf dem Cover genannt werden, sind der Roman „Total“ von Nastaran Makaremi, übersetzt aus dem Persischen von Bianca Gackstatter, und der Lyrikband „Zwischen zwei Silben die Saat des Schweigens“ von Sohrab Sepehri, übersetzt aus dem Persischen von Kurt Scharf.
Text von Gerrit Wustmann.