Artikel: ‚Tausend Fenster‘ (Nassir Djafari) in Wehrheim
Wehrheim – Die beliebte Wehrheimer Lesungsreihe einmal im Quartal geht am Montag, 17. August, um 19.30 Uhr im evangelischen Gemeindehaus, Oranienstraße 8a, weiter. Die Reihe ist eine gelungene Mischung aus Buchvorstellungen mit einigen Hintergrundinformationen sowohl über die Autoren als auch über die gesellschaftlichen oder historischen Umstände des jeweiligen Buchthemas. Dazu laden das Team der Buchhandlung der evangelischen Kirchengemeinde und des Weltladens ein.
Dieses Mal wird einer der Autoren, der Wehrheimer Schriftsteller Nassir Djafari, selbst seinen neusten Roman vorstellen. Erneut verquickt Djafari, der 1952 im Iran geboren und als Fünfjähriger nach Deutschland kam, Fluchterfahrungen mit fiktiven Erlebnissen seiner Protagonisten.
Eigene Familie diesmal nicht vertreten
Waren die Geschichten und Romanfiguren seiner ersten drei Romane teilweise autobiografisch geprägt und stützten sich weitgehend auf die eigene Familiengeschichte, so spielt nun seine eigene Familie im neuen Roman „Tausend Fenster“ keine Rolle. Auch das Herkunftsland Iran dieses Mal nicht.
Dennoch behandelt er wieder das Thema Flucht vor der alltäglichen Gewalt eines despotischen Regimes, das er dieses Mal in die Zeit nach der Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 verortet. Es geht aber auch um Zerrissenheit zwischen Fortgehen und Bleiben sowie um Aufbegehren gegen Fremdbestimmung und um Eintreten für Souveränität. In Gesprächen mit tschechischen Zeitzeugen und mit umfangreichen Recherchen hat er eine Geschichte kreiert, die zwar an sich fiktiv, aber sehr realitätsnah ist.
Zum Inhalt: Schon unmittelbar nach dem Einmarsch der Truppen des Warschauer Pakts im August 1968 wollte sich Pavel zusammen mit seiner Frau Jana in den Westen absetzen, solange es noch möglich war. Aber Jana konnte ihre jüngere Schwester nicht allein zurücklassen. Das Zeitfenster schloss sich, sie blieben und wurden erst aus der Partei ausgeschlossen, dann verloren sie ihre Arbeit.
Im Kofferraum in den Westen
Jetzt, vier Jahre nach der Niederschlagung des Prager Frühlings, steht ihnen nichts mehr im Wege. Im Kofferraum eines umgebauten Mercedes flieht Pavel in den Westen. Der Schleuser setzt ihn in Nürnberg ab und macht sich noch am selben Tag wieder auf den Weg zurück nach Prag, um Jana aus dem Land zu holen. Doch er kehrt mit einer Unbekannten zurück. Pavel steht vor einem Rätsel: Was ist seiner Frau widerfahren, wer ist die Fremde? Nach und nach entfaltet sich die dahinterliegende Geschichte.